11.01.2007 - Solothurn - Die Zahl der Fälle von Zecken-Hirnhautentzündungen hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt und ist auf über 250 gestiegen. Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren, die in Endemiegebieten wohnen oder sich vorübergehend dort aufhalten, sollten sich jetzt bei ihrem Hausarzt gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis impfen lassen, damit sie im kommenden Sommer geschützt sind. Bisher galt im Kanton Solothurn nur der Raum Langendorf - Lommiswil - Bellach (Heimlisbergwald) als Endemiegebiet. Neu kommt Oensingen (Roggen) dazu.
Zecken können verschiedene Erreger übertragen und damit verschiedene Krankheiten verursachen. Die zwei wichtigsten sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei der Borreliose wird ein Bakterium und bei der FSME ein Virus übertragen. Während die erste Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden kann, gibt es keine Behandlung für die FSME. Sie kann nur mit einer Impfung vermieden werden. Bei FSME können Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark betroffen sein. Normalerweise kommt es nach dem Stich mit einer infizierten Zecke nach einigen Tagen bis drei Wochen zu grippeähnlichen Symptomen. Bei den meisten ist damit die Erkrankung beendet. Bei rund einem Drittel kommt es zu einer zweiten Phase, in der Lähmungen auftreten können. Bei schweren Verlaufsformen können Restschäden bleiben. In knapp einem Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich (meistens ältere Patienten).
Vorbeugen
Die Schutzimpfung gegen FSME ist die einzige praktikable Lösung für Leute, die sich häufig in Verbreitungsgebieten von infizierten Zecken aufhalten. Die vollständige Grundimmunisierung erfordert drei Injektionen. Ein Schutz besteht aber in vielen Fällen schon nach zwei Injektionen. Die ersten beiden Impfungen werden in der Regel im Abstand von einem bis drei Monaten verabreicht. Die dritte Impfung, die den Langzeitschutz von mindestens drei Jahren gewährt, erfolgt nach fünf bis zwölf Monaten. Anschliessend sollte alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung gemacht werden.
Wer sollte sich durch eine Impfung schützen?
All diejenigen Personen, welche in einem Endemiegebiet wohnen oder sich vorübergehend dort aufhalten, sollten sich jetzt gegen FSME impfen lassen, um im Sommer geschützt zu sein. Der Hausarzt kann sie für die Impfung persönlich beraten.
Wer kann auf eine Impfung verzichten?
Eine Impfung erübrigt sich für Personen, welche kein Expositionsrisiko haben. Ein Expositionsrisiko besteht bei Aufenthalt in Zeckenbiotopen der Endemiegebiete. Der bevorzugte Lebensraum der Zecken sind mittelgradig feuchte Stellen in Laub- und Mischwäldern mit üppigem Unterholz (Gräser, Sträucher, Büsche). Dies sind insbesondere verstrauchte Waldränder, Waldlichtungen und Waldwege sowie Hecken und hohes Gras- und Buschland. Zecken halten sich in der Vegetation maximal bis auf eine Höhe von 1,2 - 1,5 m auf. In Hausgärten und städtischen Parkanlagen, welche nicht in der Waldnähe liegen, sowie in reinen Nadelholzwäldern sind Zecken selten. Über einer Höhe von rund 1000 müM sind bisher keine Gebiete mit FSME-Viren infizierten Zecken bekannt.
Endemiegebiet im Kanton Solothurn
Im Raum Langendorf - Lommiswil - Bellach (Heimlisbergwald) konnten Naturherde mit infizierten Zecken gefunden werden. Neu gilt das Gebiet um und oberhalb von Oensingen (Roggen) als Endemiegebiet.
Allgemeine Vorsorge
Gut abschliessende Kleidung tragen, Spray verwenden und wenn möglich Unterholz meiden. Nach einem Waldspaziergang soll der Körper nach Zecken abgesucht werden. Zecken möglichst rasch entfernen und die Stichstelle gut desinfizieren und beobachten. Stichdatum in der Agenda notieren. Beim Auftreten einer grösser werdenden Rötung der Haut sofort den Arzt/die Ärztin aufsuchen.